Du bist Weihnachten!

Bußgottesdienst im Advent 2009 in der Pfarreiengemeinschaft St. Franziskus am Steigerwald

Lied: GL 107/1+2

Begrüßung

Sind Sie schon in Weihnachtsstimmung? Wir sehnen uns danach, nach diesem „Gefühl wie an Weihnachten“: Friede, Geborgenheit, eine wohltuende Atmosphäre, ein Stück Behaglichkeit, ohne Druck, ohne Hetze. Das Gefühl, angenommen, gemocht zu sein. Aber unsere Erfahrung ist: Weihnachten, das ist kein Wunderland, kein Paradies, das uns alle verwandelt. Das, was wir sind, in uns und mit uns tragen, das tragen wir mit hinein ins Weihnachtsfest, das bestimmt auch die Qualität des Weihnachtsfestes mit.
Im heutigen Bußgottesdienst wollen wir uns wieder einmal Zeit nehmen, über uns nachzudenken und wollen einmal in bekannte Rollen schlüpfen, die für uns einfach zu Weihnachten gehören. Vielleicht ist das eine kleine Hilfe in der Vorbereitung auf dieses große christliche Fest. Und vielleicht hebt dies sogar die Qualität von Weihnachten.

Kyrie: GL 103

Gebet

Gott, mit deinen guten Augen
hältst du Ausschau nach mir,
siehst du die vielen verborgenen Schätze,
die in mir schlummern,
findest du mich, so wie ich bin, liebenswert.

Gott, dein leuchtendes Augenmerk
ruht auf meinen wechselvollen Wegen und überschatteten Pfaden,
auf meinem Bemühen und Versagen,
achtet mich mit meinen Grenzen.

Gott, in deinem liebevollen Blick
kann ich getrost und zuversichtlich leben,
kann ich mich entfalten,
wird mein Leben kostbar, sinnvoll und fruchtbar. Amen
(Paul Weismantel)

Lesung: Lk 3,1-6

Besinnung

„Du bist Deutschland.“ Dieser Satz ist uns in Zeitungen, auf Plakatwänden, in Kinos und im Fernsehen vor einiger Zeit begegnet. In einer groß angelegten Medienkampanie sollten damit Menschen in unserem Land zu mehr Eigeninitiative angeregt werden, zu mehr Selbstvertrauen und zu einer größeren Identifikation mit ihrer Heimat. Prominente haben in kurzen Werbespots dazu aufgerufen, das Leben in Deutschland positiv zu sehen und die eigenen Talente dafür einzusetzen, dass wir einer guten Zukunft entgegengehen können.

Da ist was dran. Wenn ich mich mit einem Anliegen, einer Sache, mit meinem Beruf identifiziere, dann setze ich eine große Energie ein, ohne dass ich gleich von Stress rede und unter Überlastung leide, dann strahle ich etwas aus, dann bewirke ich etwas.

Du bist Weihnachten! Ich staunte nicht schlecht, als ich im neuesten „Anzeiger für die Seelsorge“ unter diesem Titel die Gedanken des Krankenhauspfarrers und kreativen Predigers Wolfgang Raible las. Mit diesem Slogan will er in Anlehnung an die Aktion „Du bist Deutschland“ dafür werben, das Weihnachtsfest für sich ein Stück neu zu entdecken und sich bewusst mit Weihnachten zu identifizieren. Denn dadurch kann jeder von uns selbst ein Stück dazu beitragen, dass das Weihnachtsgeheimnis nicht in eine verkitschte Sehnsuchtslandschaft abgleitet, sondern den Bezug zum Leben hält und in den Alltag hineinwirkt. Und er führt humorvoll einige Prominente an, die ihm bei dieser Werbeaktion für Weihnachten unterstützen sollen. Lassen wir uns von seinen Gedanken zur Besinnung anregen:

„Du bist Weihnachten! - Du bist Krippe!“

Wir alle kennen das Weihnachtslied von Paul Gerhardt: Ich steh an deiner Krippe hier. In unserm Gesangbuch sind nur die ersten vier Strofen seines Liedes zu finden. In der letzten und 9. Strofe sagt der große Liedermacher des 17. Jahrhunderts: Du bist Krippe! Natürlich drückt er es viel poetischer aus:

Eins aber, hoff ich, wirst du mir,
mein Heiland, nicht versagen:
dass ich dich möge für und für
in, bei und an mir tragen.
So lass mich doch dein Kripplein sein;
komm, komm und lege bei mir ein
dich und all deine Freuden.


Du Bist Krippe! Gott will dich füllen, er-füllen. Er will dir sein Wort ins Herz legen, seinen Sohn. Er möchte, dass du Jesus in dir trägst, seine Botschaft, seine tröstlichen und ermutigenden Worte, seine Art, auf Menschen zuzugehen und sie aufzurichten.

Bin ich „Krippe“?

Ist in meinem Leben für diesen Jesus Platz. Wie zeigt sich das?

Möchte ich von diesem Jesus etwas in meinem Leben spüren?

Sind mir Worte von ihm ans Herz gewachsen, die mir Richtschnur sind und die ich auch beherzige?

Versuche ich, mir an seiner Art, wie er mit Menschen umgegangen ist, ein Vorbild zu nehmen?

Lass dir's noch einmal sagen: Du bist Krippe,! Du bist Weihnachten!

- meditatives Orgelspiel GL 141 -

„Du bist Weihnachten! Du bist Engel!“

„Du bist Engel!“, sagt ein anderer Prominenter, der zeitgenössische Lyriker Rudolf Otto Wiemer. Natürlich klingt es auch bei ihm viel eindrucksvoller in seinem Gedicht:

Es müssen nicht Männer mit Flügel sein,
die Engel.
Sie gehen leise, müssen nicht schrein,
oft sind sie alt hässlich und klein,
die Engel.
Sie haben kein Schwert, kein weißes Gewand,
die Engel.
Vielleicht ist einer, der gibt dir die Hand,
oder er wohnt neben dir, Wand an Wand,
der Engel.“


Bin ich Engel?

Bin ich ein Bote der Freude und des Friedens?

Verbreite ich um mich herum ganz unspektakulär ein Klima der Freude und der Gelöstheit?

Wenn ich zu Menschen „Grüß Gott“ sage, können sie spüren, dass ich es gut meine und Gott sie durch mich grüßt?

Dürfen Menschen spüren: Auf mich können sie sich verlassen?

Traue ich mich vor Menschen von Gott zu sprechen?

Lass ich es manchmal Menschen spüren, dass sie für mich Engel sind?

Lass dir's noch einmal sagen: Du bist Engel! Du bist Weihnachten!

- meditatives Orgelspiel GL 138 -

„Du bist Weihnachten! Du bist Hirte!“

Der dritte Prominente gehört auch zur schreibenden Zunft. Es ist der Schriftsteller Josef Reding. Er sagt: „Du bist Hirte.“ Und verpackt diese Aussage in eine wunderschöne Geschichte:

Ibrahim, der Pächter des Stalls von Bethlehem, berichtet dem Stallbesitzer Ben Charub in einem Brief über alles, was dort geschehen ist und entschuldigt sich für die unglaublichen Vorkommnisse. Sein Brief gipfelt in den Sätzen:
„Als ich im Stall und auf dem Feld nach dem Rechten sah und die Hirten über die Vorgänge zur Rede stellte, kümmerten sich diese Männer kaum um mich....Sie blickten durch mich hindurch und sahen aus, als ob sie einen anderen Herrn angenommen hätten.“

Bin ich Hirte?

Sieht man mir an, welchen Herrn ich angenommen habe?

Gibt mir dieser Herr bei den vielen Angeboten, die mich umgeben, Orientierung?

Hat er das Sagen und höre ich auf seine Stimme?

Wem gilt meine besondere Fürsorge?

Werde ich meiner Fürsorgepflicht gerecht?

Lass dir's noch einmal sagen: Du bist Hirte! Du bist Weihnachten!

- meditatives Orgelspiel: GL 951 -

„Du bist Weihnachten! Du bist König!“

Noch ein vierter Prominenter. Wir kennen zwar nicht mehr seinen Namen. Er war aber ein hervorragender Künstler seiner Zeit. Seine Könige sind bis heute auf der Marktplatzseite des Steigerwalddomes in Gerolzhofen zu bewundern. Hoch oben kommen sie nacheinander zum Jesuskind, das gut gelaunt auf dem Schoß seiner Mutter sitzt. Dargestellt als Vertreter der verschiedenen Generationen kommen sie zum Jesuskind und bringen ihre Geschenke dar. Jedem Betrachter, der zu ihnen hochschaut, sagen sie: Egal, ob Mann oder Frau, egal in welchem Alter du stehst: „Du bist König!“ Und jeden fragen sie:

Suchst du noch in deinem Leben?

Habe ich noch ein Ziel in meinem Leben vor Augen?

Lasse ich mich gleich irre machen, wenn es einen Umweg zu gehen gilt?

Kann ich umkehren und auch den Weg ändern, wenn ich spüre, ich schlage die falsche Richtung ein?

Höre ich auf die Botschaft meiner Träume?

Kommen meine Geschenke frohen Herzens?

Für wen bin ich im Leben ein Geschenk?

Lass dir's noch einmal sagen: Du bist König! Du bist Weihnachten!

- meditatives Orgelspiel: GL147 -

Vergebungsbitte

Herr, unser Gott. Auch an uns liegt es, ob von deinem Licht und deiner Menschenfreundlichkeit etwas in dieser Welt aufleuchtet und spürbar wird. Du kennst unseren guten Willen. Du weißt aber auch um alles, was wir Menschen und dir schuldig bleiben. Deshalb bekennen wir vor dir unsere Schuld.

Ich bekenne....

Lied: GL 107/4+5

Litanei

Krippenfiguren sind Identifikationsfiguren: Du bist Krippe! Du bist Engel! Du bist Hirte! Du bist König! Sie laden uns ein, ihre Bedeutung für uns zu entdecken. Deshalb antworten wir bei der kleinen Litanei, in der uns Krippe, Engel, Hirt und König noch einmal vor Augen stehen, mit dem Ruf:

A: Lass uns schauen; Herr

Auf die Krippe in ihrer Einfachheit...
Auf die Krippe in ihrer Offenheit...
Auf die Krippe mit ihrer Aufnahmebereitschaft...

Auf den Engel in seiner Leichtigkeit...
Auf den Engel mit seiner Friedensbotschaft...
Auf den Engel mit seinem Hinweis auf den Retter und Heiland...

Auf den Hirten mit seiner Fürsorge...
Auf den Hirten in seiner Ansprechbarkeit für die Botschaft...
Auf den Hirten in seiner Bereitwilligkeit, dem Ruf zu folgen...

Auf den König in seinem Suchen...
Auf den König in seiner Bereitschaft zum Schenken...
Auf den König mit dem Ziel vor Augen...

Vater unser - Segen

Lied: GL 835/1+2

Auszug: Orgel

Die Anregung zu diesem Bußgottesdienst verdanke ich einer Predigt von W. Raible „Du bist Weihnachten!“ in: Anzeiger für die Seelsorge Nr 12/2009, S. 28


Pfarrer Stefan Mai

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