Paulus, du hast Mut!

6. Sonntag im Jahreskreis (1 Kor 10,31-11,1)

Hätten Sie als Mutter, als Vater, den Mut zu sagen: Kinder, schaut auf mich und nehmt mich zum Vorbild. Schaut auf mich, wie ich das Leben anpacke und ihr lernt, wie das Leben geht. Schaut auf mich, wie ich mich in wichtigen Entscheidungen verhalte und ihr erfahrt, was wichtig und richtig im Leben ist.
Haben Sie als Lehrer schon einmal zu ihren Schülern gesagt: Schaut, wie ich mit Menschen umgehe, wie ich mit ihnen spreche und diskutiere und nehmt euch daran ein Beispiel.

Könnten Sie als alter Mensch Jugendliche einladen und sagen: Nehmt mich zum Vorbild! Schaut an mir ab, wie man bei abnehmenden Kräften sich dennoch des Lebens freuen kann, wie man im Alter bei allen Widrigkeiten das Leben als Geschenk empfinden und zufrieden leben kann?
Oder würden Sie eher sagen. Ich kenne mich selbst zu gut, neben meinen Stärken auch die Schwächen, meine Angst, mein Verzagen. Da fehlt mir das Recht, anderen Empfehlungen zu geben..

Paulus, du hast Mut, kann ich da nur sagen, wenn ich heute deine Worte höre: „Nehmt mich zum Vorbild!“
„Nehmt mich zum Vorbild!“, rätst du den Korinthern. Du wusstest doch selbst: Du bist eine recht schillernde Figur. Du mit deiner Vergangenheit, deinem so schnell aufbrausenden Naturell. Wie oft löst du doch einen Streit in deinen Gemeinden aus. Manche sahen dich lieber von hinten als von vorne. Woher nimmst du das Recht, dich zu empfehlen, dich als Nachahmungsmodell anzubieten? Weißt du nicht, wie du oft selbst innerlich zerrissen warst, wie du manchmal mit dir selbst nicht eins warst? Darüber haderst du mit dir doch selbst:

Ich weiß, dass in mir nichts Gutes wohnt. Das Wollen ist in mir vorhanden, aber ich vermag das Gute nicht zu verwirklichen. Denn ich tue nicht das Gute, das ich will, sondern das Böse, das ich nicht will. (Röm 7).

Paulus, bist du ein Wegweiser, der selbst den gewiesenen Weg nicht gehen kann?

Es ist natürlich, dass der Völkerapostel im Paulus-Jahr von der katholischen und evangelischen Kirche als ein goldener Stern der Orientierung an den Heiligenhimmel gemalt wird. In fast jeder Generalaudienz gibt Papst Benedikt in Rom den Pilgern den Rat mit nach Hause: „Der hl. Paulus sei uns allen ein Vorbild, mutige Zeugen des Evangeliums in Wort und Tat zu sein.“
In wie vielen Predigten und Vorträgen werden seine Tugenden beschrieben. Ja so getan, als würde in den Worten des Paulus die Lösung aller Probleme für unsere Zeit stecken. Und dabei hat er sich, wenn ich seine Briefe ernst nehme, ein Leben lang mit Problemen herumgeschlagen.

Es kommt mir manchmal vor: Die Sehnsucht bei uns Menschen nach einem gelingenden und geglückten Leben ist so groß, dass wir gerne zu Rezepten greifen möchten, die uns garantieren das zu erreichen, wonach wir uns sehnen. Natürlich wünschen wir uns Vorbilder, an denen man einfach ablesen kann, wie man es denn macht. Aber Blaupausen gibt es einfach für den eigenen Lebensentwurf nicht.

Erich Kästner formuliert es so:

„Bei Vorbildern ist es unwichtig, ob es sich dabei um einen großen toten Dichter, um Mahatma Gandhi oder um Onkel Franz aus Braunschweig handelt, wenn es nur ein Mensch ist, der im gegebenen Augenblick ohne Wimpernzucken gesagt oder getan hat, wovor wir zögern.“

Ein Zögerer war dieser Paulus auf jeden Fall keiner. Vielleicht rentiert es sich gerade deshalb auf sein Leben und seine Worte zu schauen, sich mit ihm auseinanderzusetzen und sich an ihm zu reiben. Vielleicht ist es deshalb gut, uns vor Augen zu halten, was Paulus ohne Wimpernzucken gesagt oder getan hat, wovor wir zögern.

Mut zur Kehrtwende

Zögerer war Paulus keiner. Paulus war ein leidenschaftlicher Mensch. Was er macht, macht er ganz, voller Leidenschaft.

In Treue zum jüdischen Gesetz übertraf ich die meisten Altersgenossen in meinem Volk, und mit größtem Eifer setzte ich mich für die Überlieferungen meiner Väter ein. (Gal 1,14)

Diese Leidenschaft für die Tradition seiner Vorfahren macht ihn zum Kämpfer gegen alle, die es mit den alten Bräuchen und Vorschriften nicht ganz so ernst nehmen. Halbe Sachen mag dieser Paulus nicht. Wovon er überzeugt ist, das setzt er sich in den Kopf und setzt es auch durch. Das ist der Grund, weshalb er die ersten Christen verfolgt hat.

Ihr habt doch gehört, wie ich als gesetzestreuer Jude gelebt habe, und wisst, wie maßlos ich die Kirche Gottes verfolgte und zu vernichten suchte. (Gal 1,13)

Aber Paulus zögert auch vor einem anderen Schritt nicht: Vor einer totalen Kehrtwende um 180°. Von dem, den er leidenschaftlich verfolgt, ist er eines Tages in den Bann geschlagen und kommt von ihm nicht mehr los:

Was mir damals ein Gewinn war, das habe ich um Christi willen als Verlust erkannt. Ja, noch mehr: ich sehe alles als Verlust an, weil die Erkenntnis Christi, meines Herrn alles übertrifft. Seinetwillen habe ich alles aufgegeben und halte es für Mist, um Christus zu gewinnen und in ihm zu sein. (Phil 3,8)

Als er merkt: Bei diesen Christen ist etwas dran. Die meinen es ernst mit ihrem Glauben und ihrer Menschlichkeit, da stellt er sein Leben buchstäblich auf den Kopf. Mit der gleichen Leidenschaft, mit der er die alten Bräuche des Judentums verteidigt hat, mit der gleichen Leidenschaft kämpft er für den Christusglauben. Paulus weiß, dass die jungen Christen sich darüber gewundert haben und über ihn erzählen:

Den Gemeinden Christi in Judäa aber blieb ich persönlich unbekannt. Sie hörten nur: Er, der uns einst verfolgte, verkündet jetzt den Glauben, den er früher vernichten wollte. (Gal 1,22f)

Was ist das für ein „Vorbild“? Einer, der von seinem Weg völlig überzeugt ist, aber einer, der sich auch traut, die Richtung in seinem Leben total zu wechseln, wenn er spürt: da ist mehr Leben, da ist größere Offenheit zu finden. Da zieht Gott mich hin. Ein Vorbild, das nicht einfach stur seinen Weg geht - und sich selbst treu bleibt, sondern spürt, wo Gott ihn auf einen anderen Weg lockt.

Das ist die Größe des Paulus, dieser Mut zur Kehrtwendung. Durch seine Lebensgeschichte lebt er vor: Mut, sich selbst treu zu bleiben, heißt nicht: Bleib ewig derselbe und der alte. Sich selbst treu bleiben kann auch heißen, sich radikal verändern, neue Wege einschlagen. Ohne Angst zu haben, was sagen denn da die anderen. Ohne zu berechnen, welche Sicherheit verliere ich dadurch und was wird mir der neue Weg bringen?

Stellen Sie sich heute einmal einen Politiker oder einen Kirchenmann vor, der es Paulus nachmachen würde. Was würde der zu hören bekommen, was würde aus ihm werden?

Ein Mann der Konflikte

„Wenn es nur ein Mensch ist, der im gegebenen Augenblick ohne Wimpernzucken gesagt oder getan hat, wovor wir zögern.“ das hält Erich Kästner für das entscheidende Kriterium eines Vorbildes.

Ungeheuer schwer tun wir uns im privaten Leben und auch in der Kirche mit Konflikten. Die Sehnsucht nach Harmonie steckt in uns tief. Und so machen wir - solange es geht - einen großen Bogen um heiße Diskussionen und das Austragen von Konflikten.

Paulus ist ein Mann, der Konflikte nicht unter den Teppich gekehrt hat. Dauernd ist er in seinen Gemeinden damit beschäftigt, zu diskutieren und Konflikte auszutragen. Er ist nicht konfliktscheu. Im Gegenteil: Er ist bereit, die Stirn zu bieten. Paulus war kein einfacher Mensch. Wer mit ihm näher zu tun hatte, der musste einiges einstecken können. Er hat deutliche Worte gewählt. In der Sache wie in der persönlichen Beziehung.
Als Petrus in der Gemeinde Antiochia plötzlich die Heiden wieder auf jüdische Gebräuche verpflichten will, ist das für Paulus ein Schritt zurück. Verrat an der gemeinsamen Sache. Er widersteht, wie er schreibt, Petrus ins Angesicht. Auch wenn sich einer nach dem anderen hinter Petrus stellt - und Paulus ganz allein dasteht, knickt er nicht ein, sondern stellt Petrus vor allen anderen offen zur Rede:

Als ich aber sah, dass sie von der Wahrheit abwichen, sagte ich zu Kephas in Gegenwart aller. Wenn du als Jude nach Art der Heiden und nicht nach Art der Juden lebst, wie kannst du dann die Heiden zwingen, nach Art der Juden zu leben. (Gal 2,14)

Paulus kann es einfach nicht verputzen, wenn Menschen ihr Fähnchen nach dem Wind hängen. Aus Angst vor Imageverlust wieder einknicken. Er redet nicht hintenherum, sondern mit dem Konfliktpartner „in Gegenwart aller“. Kein Wunder, dass die orthodoxen Ikonenmaler Paulus als einen glatzköpfigen Mann mit breiter Stirn darstellen.
Und wie scharf kann er attackieren und sich sogar in der Wortwahl vergreifen, wenn er meint, da steht viel auf dem Spiel, wie z. B. gegenüber den Missionaren, die nach ihm in die Gemeinde von Philippi kommen - und Ähnliches wie Petrus im Sinn haben. Vor ihnen warnt er mit drastischen Worten:

Gebt Acht auf diese Hunde, gebt Acht auf die falschen Lehrer, gebt Acht auf die Verschnittenen! (Phil 3,2)

Heute ist political correctness angesagt. Kritik wird raffiniert verpackt, damit ja niemand sich direkt angegriffen fühlen kann. Wer in Auseinandersetzungen lächelt statt zu toben, ist der Stärkere. Da können Menschen ganz cool bleiben, smart lächeln und trotzdem schon das Messer versteckt in der Hand halten. Paulus ist da ein herausforderndes Vorbild. Er sagt offen, wozu ihn sein Herz drängt. Er spricht aus, was andere nur denken. Er scheut die offene Auseinandersetzung nicht.

Paulus, der moderne Medienmensch

Mit seiner leidenschaftlichen Suche nach dem richtigen Weg, mit seiner Konfliktfreudigkeit hält uns Paulus vor Augen, wovor wir leicht zögern. Als moderner Medienmensch seiner Zeit scheint er uns mehr zu liegen, besser mit uns auf einer Wellenlänge zu sein.

Mit dem Segelschiff ist er über das Mittelmeer gesurft - heute surfen wir durchs Internet. Wie er mit der christlichen Botschaft übers Meer fuhr, so versuchen wir mehr und mehr via „Meer des Internet“ die Botschaft des Glaubens für andere anziehend zu machen. Großartig, wenn eine türkische Journalistin aus Istanbul per e-mail mit einem katholischen Pfarrer in Kontakt tritt, weil sie auf dessen Predigt-Homepage Gedanken aus ihrem Buch wieder findet, in dem sie beschreibt, was sie in der religiösen Erziehung am Glaubensbeispiel ihrer Oma gelernt hat.
Paulus nutzte die modernsten Errungenschaften der römischen Logistik. Er bediente sich der schnellsten Kommunikationswege der damaligen Welt. Ganz bewusst zielt er auf dem Seeweg und dem römischen Straßennetz die Knotenpunkte der römischen Verwaltung, die Provinzhauptstädte an.
Er weiß genau: Ich muss Menschen in den Zentren für mich gewinnen. Die dienen als Multiplikatoren und strahlen ganz von allein die Botschaft aus, die ich unter die Leute bringen will.

Da kann ja keiner heute etwas dagegen sagen. Die Ausstattungen der EDV- Abteilungen in den Ordinariaten sind topp, auf modernsten Stand. Jedes kleine Pfarrbüro ist bürotechnisch auf dem neuesten Stand. Sogar die älteren Pfarrer schlagen sich mit den Computern herum.
Aber die entscheidende Frage ist für mich: Erreichen wir wirklich den Menschen von heute mit dem Inhalt unserer Verkündigung und nicht nur bürokommunikationstechnisch? Oft habe ich den Eindruck: Unsere Sprache der Verkündigung ist weit von der Sprache und dem Leben der Menschen weg. Paulus tat, entschlossen, wovor wir zaudern.

Er war eine polyglotte Figur, römischer Staatsbürger, von der Bildung her Grieche, von seiner Religion her Jude. In seiner Person trafen sie diese drei Welten. Das befähigte ihn, die Botschaft Jesu in die verschiedenen Kulturräume seiner Zeit hineinzutragen und für die Menschen verständlich zu machen. Ich werde nie ein Treffen mit unserem Bischof vor 25 Jahren vergessen. Da stand der älteste Pfarrer der Stadt auf und meinte: „Herr Bischof, wenn der heilige Paulus das Evangelium in Hirtenwortsprache verkündet hätte, da hätte er keinen Hund hinter dem Ofen vorgelockt.“
Daran ist nicht zu rütteln: Paulus war versessen darauf, das Evangelium in alle Schichten und Milieus hineinzutragen. Er suchte öffentliche Plätze, um Religion auf den Markt zu tragen. Das Nischendenken war ihm fremd. Kuschelige Rückzugsecken hasste er. Eine Verkernung der Kerngemeinden war ihm ein Gräuel. Er hätte einem Chesterton Beifall geklatscht, der einmal fragte: „Was muss ein Lehrer kennen, der Tom etwas beibringt?“ Seine Antwort nur ein Wort: „Tom“. Und er hätte sich von Bischof Klaus Hemmerle verstanden gefühlt, der darüber nachdachte, wie er denn die Botschaft Jesu glaubwürdig an die nächste Generation weitergeben könne und in Bezug auf junge Menschen formulierte:

„Lass mich dich lernen,
dein Denken und Sprechen
dein Fragen und Dasein,
damit ich daran
die Botschaft neu lernen kann,
die ich dir zu überliefern habe.“



Der Charismenschnüffler

Noch ein vierter Punkt, an dem wir uns am Vorbild Paulus reiben können:
Eigentlich müsste man meinen, bei den ständig sinkenden Priesterzahlen, bei den immer größer werdenden Pfarreiengemeinschaften unserer Bistümer, müsste sich doch auch das Erscheinungsbild einer Kirche verändern. Eigentlich sollte man doch meinen, die verschiedenen Charismen in unseren Gemeinden werden wichtiger. Aber ich habe den geheimen Verdacht, trotz dieser Entwicklungen steuern wir wieder mehr auf eine zunehmende Klerikalisierung zu. Paulus war als „Charismen-Schnüffler“ unterwegs. Und da gibt es bei ihm keine Unterordnung und Überordnung. Das einzige Kriterium für ihn ist: Die Gnadengabe muss anderen nützen, muss konstruktiv sein, muss Gemeinde aufbauen:

Es gibt verschiedene Gnadengaben, aber nur den einen Geist. Es gibt verschiedene Dienste, aber nur den einen Herrn. Es gibt verschiedene Kräfte, die wirken, aber nur den einen Gott. Er bewirkt alles in allen.
Jedem aber wird die Offenbarung des Geistes geschenkt, damit sie anderen nützt. (1Kor 12,4-7)


Paulus stellt sich die Gemeinde wie einen lebendigen Organismus vor. Nur wenn alle ihre Funktion ausführen, kann der Leib funktionieren. Nur wenn alle sich im Leib wohlfühlen, kann der Leib gesund bleiben. Wenn die einen sagen: Euch brauchen wir nicht - dann ist es aus. Und wenn die anderen das Gefühl haben, da werden wir nicht gebraucht - dann ist es auch aus. Es braucht die Sympathie aller Glieder des Leibes, wenn der Leib Christi auf Erden gesund bleiben soll, wenn „Christus im Gewand der Kirche“ kraftvoll durch die Zeit schreiten soll.

Wo Licht ist, da ist auch Schatten. Wo große Begabungen liegen, da verstecken sich auch Gefährdungen. Wo Menschen Stärken haben, da lauert auch eine große Anfälligkeit. Das lässt sich am Leben studieren:

Wenn ein Mensch alles im Leben äußerst gewissenhaft anpackt, kann dies schnell in Kleinkariertheit umkippen.
Das stets freundliche Wesen kann zur Fassade werden.
Die Liebe zur Wahrhaftigkeit kann Menschen unbemerkt zu einem Art Oberlehrer werden lassen.
Die Tugend der Klugheit kann in eine falsche, berechnende Diplomatie umkippen.
Die Fähigkeit zum Gemüt ist ein ungeheures Geschenk, kann aber auch anfällig machen für depressive Stimmungen.
Wie gut tut es, wenn ein Mensch Humor zeigt, aber wenn sich der Humor in Richtung Clownerie entwickelt, kann er einem auf die Nerven gehen.
Wer ein geselliger Typ ist, neigt schnell zur Bequemlichkeit oder falschen Bürgerlichkeit
Wo Licht ist, da ist auch Schatten. Wo die großen Begabungen liegen, da liegen auch seine großen Gefährdungen. Das kann man auch an der Person des Paulus studieren:

Nehmt mich als Vorbild!
Und ich kann nur sagen: Ja, Paulus, du bist wirklich ein Vorbild, wenn es darum geht, sein Leben radikal danach auszurichten, was man im Leben als richtig erkannt hat. Auch wenn man dafür sein ganzes Leben über den Haufen werfen muss. Aber du trägst auch die Schattenseite vieler Konvertiten in dir. Du siehst nur noch deinen Weg als richtig. Daneben kannst du nur schwer etwas gelten lassen.

Nehmt mich als Vorbild!
Ja, Paulus, du bist in der Bereitschaft, Konflikte anzugehen wirklich ein Vorbild. Aber diese Konfliktfreudigkeit lässt dich sehr schnell überall Konkurrenten wittern. Und du kannst nur schwer eine andere Richtung neben der deinen stehen lassen. Wer etwas gegen dich sagt, den bügelst du schnell ab.

Nehmt mich als Vorbild!
Ja, Paulus ich bewundere dein entworfenes, fast demokratisches Kirchenbild, in dem der Kleine so viel zählt wie der Große. In dem der, der große Reden schwingen kann, nicht mehr zählt als die Frau oder der Mann, die nur kleine Handlangerdienste verrichten. Aber so sehr du die Gleichwertigkeit der Gemeindeglieder verteidigst, so empfindlich reagierst du dann doch wieder, wenn du selbst gleichwertig behandelt werden sollst. Dann kehrst du es doch am Ende wieder heraus: „Wir haben den Geist! Basta (1 Kor 2,16)

Aber gerade das ist für mich das Glaubwürdige an der Figur Paulus. Er ist ein gebrochenes Vorbild und kein Strahlemann. Er weiß um seine Schattenseiten. Aber, er hat trotzdem den Mut, sich als Vorbild anzubieten, weil er selbst ein Vorbild hat:

Nehmt mich zum Vorbild, wie ich Christus zum Vorbild nehme! (1 Kor 11,1)

In seiner Größe und Schwäche, braucht Paulus selbst ein Vorbild, an dem er sich reiben und auf den hin er sich ausrichten kann.

Gebetsteil

Herr, unser Gott.
In Jesus hast du uns wie schon dem Apostel Paulus ein glaubwürdiges Vorbild vor Augen gestellt.
Wir danken dir, dass wir Jesus kennen dürfen,
Wir danken dir, dass uns sein Wort und Beispiel immer wieder
im Hören auf die Schrift ins Gedächtnis und ins Herz kommt.
Öffne uns für seine Gegenwart.
Rühre uns an mit seinem Geist.
Mach durch ihn auch uns zu neuen Menschen.
Rufe uns immer wieder ins Bewusstsein, was Jesus im gegebenen Augenblick ohne Wimpernzucken gesagt oder getan hat, wovor wir zögern.
Gib uns den Mut dazu.

Lass uns wie er

da sein
wo andere weglaufen

Stellung nehmen
wo andere sich drücken

der Wirklichkeit ins Auge sehen,
wo andere die Augen zumachen

Wege zu Menschen suchen
wo sie scheinbar verbaut sind

Brücken bauen
wo andere Barrikaden errichten

Aushalten
wo andere davon rennen

Durchtragen
was verloren gegeben wird

etwas bewegen wollen
wo scheinbar alles erstarrt ist


den Mut haben, eine Sache beim Namen zu nennen
worüber vornehm geschwiegen wird

neue Kraft schöpfen
wo scheinbar keine Energie mehr da ist

Zu einer solchen Lebenshaltung segne und befähige uns der treue Gott, der Vater, der Sohn und der heilige Geist.

Eingespielte Musik:
Aus: Jan Garbarek, In Praise of Dreams; Neue Gesänge aus Taize (CD 77101)


Pfarrer Stefan Mai

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