Ein gewagter Vergleich

Ansprache zum 50.Jubiläum des Sozialdienstes katholischer Frauen e.V. Schweinfurt

Sie haben mich ein wenig ins Schwitzen gebracht mit Ihrer Bitte, als Vertreter der Dekane Schweinfurt Stadt und Land etwas zum SkF zu sagen. Die Aufgabengebiete von hauptamtlichen und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen kennen Sie besser als ich. Die Geschichte Ihres Vereins ist in der Festschrift dargestellt. Und es gehört irgendwie zu einem Schatten in meiner Biographie, dass ich mir mit Lob nicht leicht tue und mich innerlich verrenken müsste, wenn ich Lobeshymnen auf die geleistete Arbeit singen sollte. Frauen sollen ja sensibel sein und würden es merken, dass sich da einer schwer abquält mit den üblichen Streicheleinheiten bei Jubiläen. Also möchte ich Ihnen dies ersparen.
Ich bin mir bewusst, dass allein schon die Tatsache ein wenig delikat ist, dass ein Mann – und dazu noch ein Kirchenmann – vor einer Versammlung mit einer derart hohen Frauenquote etwas Spezifisches zu einem selbstbewussten Frauenverein sagen soll, was doch eigentlich Frauensache wäre. Ich könnte über die Wichtigkeit des Ehrenamtes und über die Wichtigkeit des Dienstes von Frauen in unserer Kirche und Gesellschaft philosophieren, aber da fällt die Katze immer wieder auf die gleiche Füße: Theorie und Praxis klaffen auseinander. Ich könnte zum Symbol Ihres Namens-Zwillings, zum stählernen Bruder SKF, dem Kugellager greifen und über das Ineineinder und Miteinander der verschiedenen Sparten Ihres Vereins schöne Gedanken machen, damit es rund läuft. Aber das Technische liegt mir nicht so. So will ich nun endlich nach so viel Außenrumgerede zum Thema kommen.
Weil mir als Bauernbuben der Zugang zur Natur leichter fällt, ist mir in einer Untersparte Ihres Vereins ein Tier aufgefallen, das frauliche Intuition als Wappentier über einen furchtbaren, nur von Männerhirnen ausdenkbaren Namen „Kinderausstattungszentrale“ gesetzt hat, und durch die Abkürzung „K.A.T.ZE“ zu einem gewagten Vergleich von Frau und dem Haustier Katze herausfordert. Deswegen posiert heute gemütlich die Katze des Üchtelhäusers Peter Vollert unter uns. Gleich vorne weg: Ähnlichkeiten mit noch lebenden Personen sind rein zufällig und bewusste Anspielungen nicht beabsichtigt. Sollte mancher Vergleich schief sein, dann schärfen sie bitte nicht gleich die Krallen, sondern nehmen Sie es, wie die Katze da vorn, gelassen: „Männer haben eh keine Ahnung“!
Herrchen oder Frauchen schätzen die Anhänglichkeit ihrer Katze, warten förmlich darauf, dass sie ihnen schon erwartungsvoll entgegenspringt, wenn sie den Schlüssel in die Wohnungstür stecken. Sie genießen es, wenn die Katze um die Beine schwänzelt, wenn sie sich brav auf den Schoß setzt, zufrieden schnurrt und somit eine Atmosphäre der Behaglichkeit ausstrahlt, einen dann treu anschaut und förmlich vermittelt: Auf meine Treue, auf mein Wohlwollen kannst du dich verlassen.
Aber Herrchen und Frauchen vergessen leicht, dass ihr Kätzchen bis in die Knochen hinein eigentlich grundsätzlich antiautoritär gestimmt ist. Sie lehnt alle Zwangsmaßnahmen ab und beweist Anhänglichkeit eigentlich nur auf dem Boden respektierter Freiheit. Sie geht nicht auf Pfiff und auch nicht schön bei Fuß und lässt sich nicht dressieren wie ein Hund. Katzen lieben die Freiheit. „Der Hund gehorcht nach dem Befehle, die Katze nur der eignen Seele“ (Eugen Roth). „Es ist keine Katze noch so mild, wenn man sie einsperrt, wird sie wild“ (Sprichwort).
Kommt das Frauen so unbekannt vor?
Ob nicht Frauen mit Katzen in manchen Mustern zu vergleichen sind? Ob Mutter Kirche nicht viel mit Herrchen und Frauchen gemein hat?
Herrchen und Frauchen bewundern die Eleganz ihrer Mizzi, die majestätischen Bewegungen, den erhabenen würdevollen Schritt. Wie kann man seinen Blick an diesen Bewegungen ergötzen! Sie lieben das weiche Fell, vergessen aber allzu leicht, was der Volksmund aus Erfahrung weiß: „Ist die Katze noch so glatt, sie dennoch scharfe Krallen hat.“
Eine Katze zeigt Krallen. Wenn es ihr nicht passt, wenn man ihr falsch kommt, kann sie ganz schön fauchen und beweisen, dass eigentlich nicht in erster Linie ein Schmusetierchen in ihr steckt, sondern ein kleiner Tiger. Sie kann bis zum Umfallen kämpfen, wenn sie etwas erreichen will. Und wer kennt nicht ihren durchdringenden Blick, der förmlich paralysieren kann oder wenigstens durch und durch geht.
Der zierliche Körperbau einer Katze erweckt oft den Eindruck, als bräuchte eine Katze starke Beschützer, als könne sie sich nicht alleine wehren, als sei sie schwächlich. Wer das meint, täuscht sich jedoch. Nicht umsonst werden der Katze neun Leben nachgesagt. Katzen beweisen eine ungeheure Zähigkeit und verfolgen einmal Begonnenes oder persönliche Interessen mit unbeugsamen Willen.
So mancher Kirchenmann hat sich in der Kirchengeschichte an so mancher Frau die Zähne ausgebissen. Als Beispiel sei nur eine Teresa von Avila genannt. Wozu sie sich entschlossen hatte, das führte sie gegen alle Widerstände durch. Ein Bischof dem man mitteilte, Teresa plane die Gründung eines neuen Klosters, bemerkte trocken: “Wenn die etwas will, dann ist es schon durchgeführt.“
Herrchen und Frauchen wollen gerne vorschreiben, wie sich die Mizzi zu verhalten hat, ihr einen Platz zuweisen, den sie ihr eigen nennen darf, ein Kissen auf dem Sofa, das Katzenkörbchen.
Aber die Mizzi pfeift darauf. Sie ist eher furchtbar neugierig. In jeden Spalt, der sich auftut, schlüpft sie hinein, inspiziert, kundschaftet ihn aus, kommt schnell mit neuen Situationen und Lebenslagen zurecht und behauptet die eroberten Räume dann auch. Ob vielleicht angesichts solcher Eigenschaften in einer Männerkirche – aus Angst – mancher Spalt für Frauen nicht zu weit aufgetan wird?
Liebe Mitarbeiterinnen im SkF. Glauben Sie, dass es Ihren SkF nach 50 Jahren, nach so vielen Umwälzungen in unserer Gesellschaft und Kirche noch gäbe, nach so manchem Rückpfiff, wenn Frauen nicht gerade diese widerspenstigen Katzenmentalitäten in sich tragen würden? Interessant bleibt für mich die Frage: Was wird stärker sein im Blick auf die Stellung der Frau in der zukünftigen Kirche: die sprichwörtliche Beharrlichkeit in der Kirche „Die Kirche denkt in Jahrhunderten“ oder die Ahnung des oben zitierten Kirchenmannes: „Wenn die Frauen etwas wollen, dann ist es schon durchgeführt?“


Pfarrer Stefan Mai

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